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Wegekonzept: So viel wie nötig, so wenig wie möglich

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Der Buhlbachsee ist einer der attraktivsten Punkte im Park. Deshalb soll es hier beispielsweise auch Ruheliegen geben. Um die besondere Stille im Naturschutzgebiet besser erlebbar zu machen (Bild: Arne Kolb / Nationalpark Schwarzwald)

Wegekonzept heiß diskutiert

Was dürfen wir noch, was geht nicht mehr? Wieso bleibt nicht alles, wie es ist? Und wurden die Auswirkungen geänderter Wegnutzung bedacht? Auf einer speziellen Themenführung wurde schnell klar: Die Befürchtungen und Bedenken rund um das neue Wegekonzept des Nationalparks sind offenbar immer noch nicht ganz ausgeräumt. Es prasselte Fragen, Bedenken schwirrten durch die Luft, unterschiedliche Ansichten prallten aufeinander und wurden teils hitzig diskutiert. Nationalparkdirektor Thomas Waldenspuhl und Fachbereichsleiter Sönke Birk zeigten sich geduldig und stellten sich bis in den dunklen Abend hinein den Fragen der Teilnehmer.

600 Anregungen gesammelt

Das Wegekonzept im Nationalpark ist bereits weit gediehen, und es gibt mittlerweile Antworten auf (fast) alle Fragen. Nach einer Grundlagenerfassung im vergangenen Jahr war die Konzeptbasis geschaffen. Dazu gehörte die Erarbeitung einer Karte mit allen im Nationalpark existierenden Wegen, die Abfrage der derzeit touristisch genutzten Wege, die Wegeinventur sowie die Besucherzählung und -befragung. Auf dieser Basis wurden seither insgesamt 21 bilaterale Gespräche geführt. Hier konnten Institutionen, Verbände und Nationalparkgemeinden sowie die Bürgerinnen und Bürger selbst Einfluss nehmen. Dabei kamen rund 600 Anregungen zusammen, die in die weitere Konzepterarbeitung einflossen.

Naturschutz versus Besucherinteresse

Eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Mitgliedern des Nationalparkrates und des Nationalparkbeirates, erstellte auf dieser Grundlage ein Grobkonzept, das nun, am 14. November 2016, zur zweiten Beteiligungsphase freigegeben wurde. So hat sich mittlerweile aus den bislang vorhandenen 1.200 Kilometern Wirtschaftswegenetz im Park ein kleineres Wegenetz für die Besucherinnen und Besucher herauskristallisiert, das beiden Aufgaben des Parks gerecht werden soll: Einerseits dem umfassenden Schutz der Natur und damit einer Beruhigung von bestimmten Bereichen des Parks. Und andererseits dem Anspruch, den Besuchern die wilder werdende Natur auf attraktiven Wegen und an schönen Aussichtspunkten nahe zu bringen.

Online-Befragung zur Detailanpassung

„Wir sind jetzt soweit, dass wir unsere grundsätzlichen Überlegungen mit Rat und Beirat abgestimmt haben und somit öffentlich machen können“, erläutert Sönke Birk den Zeitpunkt der Führung. „Sie können aber weiterhin Einfluss auf die Details nehmen. Vom 16. Januar bis zum 12. Februar 2017 führen wir auf unserer Webseite „Nationalpark im Dialog“ eine Online-Befragung durch“, ergänzt Thomas Waldenspuhl. „Hier können Sie den bisherigen Verlauf der Entwicklung, das Grobkonzept selbst, die weiteren Planungen, alle relevanten Hintergrundinformationen, die Karten und die über 600 Anregungen einsehen. Weitere Hinweise können Sie dann entweder ganz allgemein machen oder gezielt einem Punkt im Park zuordnen.“ Diese Chance der Teilhabe an der Wegekonzeptentwicklung solle man auf jeden Fall wahrnehmen, meinen beide. Jede ernsthafte Anmerkung wird begutachtet und beantwortet. Mithilfe eines Newsletters bleibt man stets auf dem aktuellen Stand der Planungen.

Wegekonzept möglichst zügig umsetzen

Im Februar 2017 wird nach den Rückmeldungen aus dem Online-Dialog eine Feinkonzeption durch die Arbeitsgruppe erarbeitet. Dann wird das Wegekonzept abschließend in Beirat und Rat bewertet – und beschlossen. „Irgendwann müssen wir das Thema abschließen“, so Waldenspuhl. Denn sobald das neue Besucherzentrum fertig ist, rechnet die Nationalparkverwaltung in zwei, drei Jahren mit einem deutlich höheren Besucherzustrom, der im Sinne des Naturschutzprojektes sinnvoll durch den Park geleitet werden muss. „Als erste Maßnahme werden wir die Beschilderung anpassen, damit sich die Besucher an die neue Wegeführung gewöhnen können. Dann werden nach und nach die gesperrten Strecken entweder sich selbst überlassen, sodass sich die Natur zurückholt, was wir ihr überlassen können. Oder wir bauen Teilstücke aktiv zurück, um Besuchern möglichst schnell eindeutig die Wegegrenzen aufzuzeigen“, fasst Birk die Arbeitsphasen zusammen.

Eine Auswahl der Fragen und Antworten:

Zur Qualität

„Stellen Sie auch noch ein paar mehr Bänke auf? Oder bauen Sie welche ab?“ –„Wir entwickeln eine eigene Produktlinie in Zusammenarbeit mit dem Tourismus der Nationalparkregion und z.B. mit dem Schwarzwaldverein. Es werden andere und teilweise mehr Bänke aufgestellt. Und es wird Ruheliegen an besonders schönen Stellen im Park geben.“

„Was heißt Qualitätserhöhung der Wege?“ –„Wir möchten das Erlebnis im Nationalpark schöner machen – auch, indem wir die Wege natürlich und abwechslungsreich führen, zum Teil auch absichtlich „verwildern“ lassen. Wir bauen auf bestimmten Wegen vorhandene Barrieren ab und schaffen keine neuen (Inklusion). Damit ist der Nationalpark über viele Wege erlebbar: lehrreiche, aktive – oder einfach erholsame.“

„Laufen wir dann da womöglich in Sackgassen, wenn Sie Teilstrecken sperren?“ –„Unser Wegekonzept ist so angelegt, dass möglichst keine Sackgassen entstehen. Wenn wir eine Sackgasse nicht vermeiden können, dann weisen wir frühzeitig auf dem Weg darauf hin, damit Sie nicht plötzlich vor einer Sperrung stehen.“

Zur Sicherheit

„Was ist mit der Freihaltung von Wegen für Einsatz- und Rettungsfahrzeuge?“ –„Natürlich müssen wir uns um die Freihaltung der auch in Zukunft sicherheitsrelevanten Wege kümmern. Das ist ganz klar. Die Festlegung dieser Wege erfolgt aber erst nach dem Beschluss des Wegekonzeptes.“

„Was passiert, wenn Sie Wege schließen und dadurch Überschwemmungen und Hangrutsche auslösen?“ –„Durch die Schließung der Wege werden keine Überschwemmungen oder Hangrutschungen ausgelöst. Darüber hinaus achten wir sehr genau darauf, dass ein eventuell durch Starkregen verursachtes Hochwasser so abfließen kann, dass keine Stauungen entstehen. Sollte es trotz aller Umsicht nötig sein nachzubessern, werden wir das selbstverständlich tun. Dies gehört zur normalen Arbeit des Nationalparks außerhalb des Moduls Wegekonzeption.“

Zum Naturschutz

„Warum darf man auf einem breiten Wirtschaftsweg nicht mehr Radfahren?“ –„Im Nationalparkgesetz ist vorgeschrieben, Rad- und Reitwege speziell auszuweisen. Einige Wirtschaftswege werden zukünftig der Wildnis überlassen oder zurückgebaut, weil wir sie nicht für ein attraktives Wegenetz benötigen. Andere werden wir nur noch teilweise beispielsweise als Rettungswege offen halten. Hier soll aber eben nicht ständig eine Störung der Natur entstehen. Wenn einmal im Jahr ein Polizeiauto durchfährt, ist das dem Auerhuhn egal. Wenn aber immer wieder Menschen hier durchmarschieren, meidet das Huhn die Stellen. Und das wollen wir nicht.“

„Dürfen Sie das überhaupt, das Wegegebot so rigoros im gesamten Park umsetzen?“ –„Wir prüfen natürlich unsere rechtlichen Maßgaben genau – und ja, wir dürfen ein Wegegebot auch für die Entwicklungs- und die Managementzone aussprechen. Auch vor dem Nationalpark gab es bereits Wegegebote in Naturschutzgebieten, z.B. in den Grinden, die heute in den Managementzonen liegen und die wir aufrechterhalten müssen. Wir glauben zudem, dass wir damit eine transparente Lösung gleich von Anfang an schaffen. Denn Besucher können die Grenzen der einzelnen Zonen nicht erkennen – diese ändern sich ja auch mit der Zeit. Deshalb ist für uns ganz klar: sobald man den Nationalpark betritt, gilt das Wegegebot. Die Wege werden wir entsprechend gut beschildern.“

Zum Konfliktmanagement

„Wie können Sie sicherstellen, dass die Wanderer nicht auf den Loipen laufen?“ –„Hier können wir nur auf die Vernunft und die Einsicht der Wanderer hoffen, dass diese im Winter die ausgewiesenen Loipen nicht betreten. Diese Konflikte gab es schon immer, sie sind nicht nationalparkspezifisch. Auch unsere Ranger werden die Konflikte wohl nicht komplett aus der Welt schaffen können. Wir werden aber versuchen, über einen Verhaltenskodex, den wir noch mit den Betroffenen entwickeln, hier zusätzlich Achtsamkeit zu schaffen.“

„Wie lösen Sie Konflikte zwischen den unterschiedlichen Nutzergruppen?“ –„Wir haben beschlossen, auf den Wegen, auf denen auch das Radfahren oder das Reiten möglich ist, eine Mehrfachnutzung zuzulassen. Das heißt, es wird zwar Wege NUR für Wanderer geben. Auf Radwegen hingegen ist immer auch das Wandern erlaubt. Und auf Reitwegen ist immer auch das Radfahren und Wandern erlaubt. Entsprechende Rücksichtnahme fordern wir von allen Nutzern ein – es darf bei uns beispielsweise nicht galoppiert werden. Das wäre durch die Mehrfachnutzung einfach zu gefährlich. Die Ranger bemühen sich um Konfliktbereinigung – aber vor allem zählen wir auf die Vernunft der Parkbesucher. Zumindest der 98%, die sich immer schon an die Regeln gehalten haben.“

 

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