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Borkenkäfermanagement: das Einerseits und das Andererseits

Nationalpark Schwarzwald Magazin, Führung zum Borkenkäfermanagement im Schönmünztal, Bild: Thomas Dobrzewski
Ein Prachtexemplar von einem Borkenkäfer? Nein - natürlich nur ein Modell, das Nationalparkleiter Dr. Thomas Waldenspuhl links in der Hand hält. Rechts im Gläschen sind die echten, die Forstfachbereichsleiter Jörg Ziegler präsentiert

Auf Bokämon-Tour

Nein, nicht um die Jagd nach den kleinen virtuellen Fantasiegestalten geht es hierbei. Sondern um das Borkenkäfermanagement beziehungsweise speziell das Borkenfermonitoring des Nationalparks. Die kleinen Fichtenparasiten wie der “Buchdrucker” und der “Kupferstecher” sind für den wilder werdenden Wald durchaus nützlich – für einen Wirtschaftswald aber schädlich. Deshalb gibt es im Nationalpark eine Art “Schutzgürtel”, den Pufferstreifen. Hier werden Fichten, die vom Borkenkäfer befallen sind, konsequent überwacht und schnell aus dem Wald entfernt, wenn sie eine Gefahr für den Wald außerhalb des Nationalparks darstellen.

Willkommen geheißen hier bis zutiefst verabscheut dort

Der Borkenkäfer ist so eine einerseits-andererseits Sache. Einerseits ist er in den Kernzonen des Nationalparks, in denen die Natur Natur sein darf, herzlich willkommen. Durch seine Fraßschäden entstehen nämlich große Freiflächen, auf denen sich wieder Jungwald entwickeln kann. Natürliche Waldverjüngung nennt sich das. Auf dem Lotharpfad könnt ihr sehen, wie das dann in zwanzig Jahren etwa aussieht, wenn man solche Flächen in Ruhe sich selbst überlässt. Außerhalb des Pufferstreifens, der sich entlang der Grenzen des Nationalparks zieht, sind Waldbesitzer, die mit dem Holzeinschlag Geld verdienen, durch die Maßnahmen des Borkenkäfermanagements geschützt vor dem aus wirtschaftlicher Sicht schädlichen Plagegeist.

Situatives Borkenkäfermanagement

Auf einer Führung im Schönmünztal ging es letztens zusammen mit Nationalparkleiter Dr. Thomas Waldenspuhl und Forst-Fachbereichsleiter Jörg Ziegler aber nicht um das strikte Vorgehen im streng überwachten Pufferstreifen innerhalb der Managementzone. Sondern um das sogenannte situative Borkenkäfermanagement, das in der Zone zwischen der inneren Kernzone und dem äußeren Pufferstreifen durchgeführt wird. Diese mittlere Zone wird Entwicklungszone genannt: Hier darf in den kommenden 30 Jahren noch lenkend eingegriffen werden, um der Waldentwicklung hin zu einem natürlicheren Wald auf die Sprünge zu helfen. Nach 30 Jahren dann wird auch diese Zone in der Kernzone aufgehen und der Mensch sich ganz aus dem Geschehen zurückziehen.

Versuche zeigen Wirksamkeit des Pufferstreifens

Was situatives Borkenkäfermanagement bedeutet, erklärte Jörg Ziegler während des informativen Waldspaziergangs. Er erläuterte dazu einen aktuellen Versuch der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA): „Unter kontrollierten Bedingungen wird untersucht, wie der Borkenkäfer sich ausbreitet. Und welche Rolle dabei Landschaftssilhouetten, Windrichtung, Tageszeiten und das Baumalter spielen. Hierfür werden die Käfer farbig markiert und nach einiger Zeit wieder eingefangen. Bisher wurden die Käfer schwerpunktmäßig zwischen 150 und 250 Meter entfernt vom Ursprungsort eingefangen. Dies bedeutet, dass nach dem bisherigen Kenntnisstand der 500 Meter breite Pufferstreifen ausreicht, um die umliegenden Wälder zu schützen.“ Und es bedeutet auch, dass der Nationalpark in der dahinter liegenden Entwicklungszone von Fall zu Fall entscheiden kann, ob gefällt wird. Oder man auch hier jetzt bereits schon der Natur ihren Lauf lassen kann. Das wird beim situativen Borkenkäfermanegement je nach Umfang und Stärke des Befalls und aller anderen Faktoren wie Windrichtung oder Waldzusammensetzung in diesem Bereich entschieden.

Bilder: Thomas Dobrzewski/Nationalpark Schwarzwald, Franziska Schick