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Lieber mit dem Bus – zumindest in der Zukunft

Nationalpark Schwarzwald Magazin, Infoveranstaltung zum Verkehrskonzept, Testfahrt im Bus, Parkplatz Unterstmatt

In die Zukunft träumen

„Die Sonne scheint, es ist mein freier Tag. Zeit für einen Besuch im Nationalpark! Also schnell in der Käuzchen-App nachgeschaut: Auf dem Park & Ride-Platz am Bahnhof Bühl ist noch viel frei, das ist prima. Dann kann ich von dort gleich in den Käuzchen-Bus einsteigen. Aussteigen werde ich, wo es mir gefällt, das Käuzchen-Ticket gilt ja im gesamten Gebiet der Nationalparkregion. Den ganzen Tag. Dann ein Stück wandern. Oder Radfahren? Ja, vielleicht leihe ich oben im Nationalpark mal ein Mountainbike oder Pedelec aus. Könnte ich über die App auch online vorbestellen. Dann noch irgendwo einkehren – in der App finde ich unterwegs auch alle Informationen dazu. Da brauche ich mich jetzt noch nicht entscheiden. Also einfach starten – und einen schönen, langen Tag in der Natur genießen! Jeder Käuzchen-Bus, das weiß ich, hat seine letzte Fahrt immer um 20 Uhr hinunter ins Tal. Ich kann mir also auch ein wenig mehr Zeit gönnen.“

Noch ist eine Busfahrt nicht attraktiv genug

So könnte es in Zukunft einmal sein: Dass Besucher keine Lust mehr haben, mit dem Auto zum Ruhestein, zum Mummelsee oder nach Unterstmatt zu fahren. Sondern lieber von der Bahn oder einem der Talparkplätze in einen Bus umsteigen, um auf die Höhe zu gelangen. Das zumindest ist der Wunsch, schließlich steht der Nationalpark für Naturschutz. Und das lässt sich kaum mit tausenden von PKW vereinbaren, die an schönen Tagen die Parkplätze und auch die Straßenränder entlang der Schwarzwaldhochstraße füllen. Der Individualverkehr muss abnehmen. Der öffentliche Nahverkehr attraktiver werden, das ist das große Ziel des Verkehrskonzeptes, das derzeit vom Nationalpark erarbeitet wird. Denn, wie mir eine ältere Wandersfrau aus Karlsruhe erklärt: „An einem schönen Tag würde ich ja schon gerne einfach mal für eine sonnige Abendstunde hier hochfahren. Aber der letzte Bus ins Tal fährt um 17 Uhr! Das ist doch schade!“

Praktische Fragen überwiegen

Um zu hören, was Anwohner und Kommunalpolitiker grundsätzlich von einem guten Verkehrskonzept erwarten, veranstaltete der Nationalpark Testfahrten mit dem Bus. Beispielsweise von Bühl über Unterstmatt, Hundseck, Sand und Herrenwies bis Baden-Baden. Unterwegs gab es reichlich Gelegenheit zu Diskussionen. Mit Nationalparkleiter Dr. Wolfgang Schlund. Mit Verkehrsplaner Rimbert Schürmann vom beauftragten Beratungsbüro PTV Transport Consult GmbH. Und auch mit Philippe Düsel, Niederlassungsleiter der Südwestbus Offenburg – der den Bus auf dieser Strecke höchstpersönlich fuhr. Und Fragen gab es. Viele. Zum Ticketsystem. Zur Anbindung. Zur Taktung.

Das Ziel: Bus toppt Auto

Doch diese praktischen Rahmenbedingungen gehen dem Nationalpark selbst noch nicht weit genug: „Wir müssen das Busfahren zum Erlebnis machen. Wir wollen, dass die Leute sagen: Da will ich mitfahren!“ Wenn es machbar sei, so Schlund weiter, solle der Besuch des Nationalparks bereits bei der Anfahrt Infotainment pur werden. Beispielsweise mit einer App, auf der alle Infos abrufbar sind – und auf der vielleicht auch Besonderheiten des Parks unterhaltsam erzählt werden. Die Fahrt in den Nationalpark soll verträglich für die Natur und entspannt und unterhaltsam für den Besucher sein.

Es gibt auch ohne jegliche zusätzliche Unterhaltung bereits eindeutige Vorteile einer Busfahrt: „Ha, soviel sehe ich nicht, wenn ich mit dem Auto hier selbst hochfahre und mich auf die Straße konzentrieren muss!“, meint einer der Fahrtteilnehmer. Und ein anderer ergänzt: „Ja, und wenn du oben wandern willst, musst du nicht mehr zum Parkplatz zurück. Du steigst einfach an einer anderen Haltestelle wieder in einen Bus und fährst von da dann nach Haus zurück!“ Und die Vorteile sollen sich noch weiter in Richtung öffentlicher Nahverkehr verschieben, die Anreise mit dem PKW hingegen immer unattraktiver werden.

Die Wunschliste ist lang

Doch bis es soweit ist, gibt es noch einiges zu „müssen“, wenn das Verkehrskonzept wirklich umfassend erneuert werden soll. Soviel hat die Testfahrt im Bus und die angeregte Diskussion gezeigt:

  • Es müssen im Tal ausreichend Parkplätze an den Bushaltestellen zur Verfügung stehen
  • Der Anschluss der Bahnen an die Busse muss ohne viel Wartezeit klappen
  • Haltestellen, Busse und der Zugang zu Informationen müssen so barrierefrei wie möglich gestaltet werden
  • Die drei Busunternehmen, die den Nationalpark aus Richtung Baden-Baden, Achertal und Freudenstadt anfahren, müssen sich in ihren Fahrplänen aufeinander abstimmen
  • Ein Nationalpark-Ticket muss in der gesamten Nationalparkregion Gültigkeit haben
  • Zusätzlich müssen die Busse, die in den Nationalpark fahren und in denen das Nationalpark-Ticket gilt, einheitlich gekennzeichnet sein. Egal, zu welcher Verkehrsgesellschaft sie gehören
  • Die Fahrpläne müssen ganzjährig funktionieren – egal, ob es Wanderer, Radfahrer oder Skifahrer sind, die nach oben wollen
  • Die Fahrtzeiten müssen erweitert werden, damit man nicht schon um 17 Uhr Angst haben muss, den letzten Bus zu verpassen
  • Die Informationen über die Anreise müssen online leicht zugänglich und leicht verständlich sein – inklusive der Parkplatzsituation an den Haltestellen
  • Auch müssen Ausleihstationen von Fahrrädern im Nationalpark online abrufbar sein – im besten Fall mit Vorbestellfunktion. Damit Radfreunde nicht zwangsläufig ihre eigenen Fahrräder im Bus transportieren müssen
  • Skifahrer müssen sich darauf verlassen können, dass der Bus jederzeit fährt – die Räumdienste müssen entsprechend zuverlässig funktionieren
  • Um online an die Infos zu kommen, muss zusätzlich zum Verkehrsnetz auch das Mobilfunknetz besser werden. Funklöcher wie in Herrenwies müssen Vergangenheit werden
  • Die Bewirtschaftung der Parkplätze entlang der Schwarzwaldhochstraße muss geregelt – und kostenpflichtig werden. Je näher man dem Nationalpark kommt, umso teurer muss das Parken werden. Das ist eine Möglichkeit, einen Teil der Kosten für ein besseres Nahverkehrssystem aufzufangen. Denn eines ist allen klar: Es wird einiges kosten, die Idealvorstellung umzusetzen

Onlinedialog startet im September

Nach den Sommerferien im September 2017 startet übrigens ein Onlinedialog. Dann präsentiert der Nationalpark das Verkehrskonzept und stellt es zur Diskussion. An der dann jeder online teilnehmen kann, um eine gute Idee, einen nützlichen Hinweis oder auch eine berechtigte Kritik loszuwerden.

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