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Dokumentarfilm zur Dauerausstellung

Nora Lay und Elina Bildhauer

Zwei junge Frauenhaben den Dreh raus

Elina Bildhauer und Nora Lay von der Hochschule Offenburg dokumentieren die Entstehung der Dauerausstellung des neuen Nationalparkzentrums.Bis August wird aus dem gedrehten Material ein 25-minütiger Film entstanden sein. Für die jungen Frauen ist er Abschlussarbeit ihres Masterstudiengangs in Medien und Kommunikation. Den Besuchern des Zentrums aber schenkt er den Blick zurück – auf Reißbretter, Werkbänke oder Monitore einiger Akteure, die an der Entstehung des modern inszenierten Mikrokosmos mitgewirkt haben.

Was als Projektarbeit ihres Vorlesungsfachs Videojournalismus und Dokumentarfilm gedacht war, entpuppte sich schnell als Fundgrube für bildreiche Geschichten und somit als geeignetes Thema für eine Abschlussarbeit. So kam es, dass Elina Bildhauer und Nora Lay schon im ersten Semester damit begonnen haben, die gemeinsame Master Thesis vorzubereiten. Und das, obwohl sie sich erst zwei Wochen und nur sehr oberflächlich kannten. Beide waren von der Vorstellung fasziniert, die Entstehung einer Ausstellung mit der Kamera zu begleiten und beide wollten dieses Thema bearbeiten. Schnell haben sie sich dazu entschlossen, ihre Masterarbeit einfach gemeinsam zu machen. Ihre Dozentin bestärkte sie darin. Außerdem begleitete sie die beiden von Beginn an, gab Ratschläge, behielt die nötige Ruhe und Übersicht. „Das war auch gut so“, erinnert sich Nora Lay (Bild). „Eine Aufgabe dieser Größenordnung war für uns beide neu.“ Der Reiz an diesem Thema und die Aussicht darauf, dabei viel Praxiserfahrung zu sammeln, waren größer als die Angst zu scheitern. Beide hatten zuvor andernorts ein sehr theoretisch angelegtes Bachelorstudium abgeschlossen. Nora erwarb den Bachelor of Arts in Tourismusmanagement, Elina in Journalismus und Public Relations.

Mutig ins kalte Wasser gehüpft
Danach ging alles ganz fix. Elke Osterloh und Ursula Pütz, damals die gemeinsamen Leiterinnen des Nationalparkzentrums, erklärten den Studentinnen, wie eine Ausstellung überhaupt entsteht, was konkret für die neue geplant sei und welche Akteure über welche Zeiträume involviert sein würden. Daraus ergab sich eine Stoffsammlung, die die beiden in enger Abstimmung mit den Zentrumsleiterinnen und ihrer Dozentin auf das eingedampft haben, was sich gut dokumentieren lässt und starke Bilder liefert.

Das Resultat war Basis eines Konzepts und eines Fragenkatalogs. Das war ihr roter Faden, der gerade bei Dokumentarfilmen unverzichtbar ist, weil sie nur schwer planbar sind. „Es gibt kein klassisches Drehbuch wie bei einem Spielfilm, nichts ist klar vorgegeben“, weiß Elina und ergänzt lachend: „Bei Dokumentarfilmen dreht die Überraschung immer mit.“ Und zwar Überraschungen wie Wetterumschwünge oder plötzlicher Umgebungslärm, der die Filmaufnahmen ganzer Drehtage unbrauchbar machen kann. Und letztlich auch durch die Akteure selbst, die es nicht gewohnt waren, bei der Arbeit gefilmt zu werden.

Bislang 358 Gigabyte Material
Mit Beginn des zweiten Semesters starteten die Dreharbeiten. Das Equipment haben sich Elina und Nora von der Hochschule geliehen. Darunter eine Canon7D mit diversen Objektiven und eine GoPro HERO7Black mit Bildstabilisator für Action-Aufnahmen, wie sie in der Natur öfter vorkommen. Sie filmten Illustratoren beim Zeichnen von Blättern und Bäumen und schauten Animateuren beim Programmieren digitaler Welten auf die Finger. Sie observierten Präparatoren, die Wölfe aus Styropor formten, verfolgten einen Naturfilmer im Laufschritt mit geschultertem Equipment oder den Mykologen Flavius Popa auf der Suche nach besonderen Pilzen im Unterholz. Mit dem Wissenschaftler aus dem Nationalparkteam hätten sie komplett die Zeit vergessen und dabei gelernt, dass manche Pilze nach Chlor und andere nach Ananas riechen, erzählen beide lachend. Aufnahmen aus 20 Drehtagen mit unzähligen Akteuren belegen mittlerweile 358 Gigabyte ihrer Festplatte. Und das sei noch nicht der Endstand, beteuert Elina, denn es stehen noch drei Drehtage an.

Kombination mit Komposition
Eine grobe Sichtung des Materials nach dem Töpfchen-Kröpfchen-Prinzip läuft schon längst nebenbei. Nur so ist der Zeitplan einzuhalten. Schließlich müssen die beiden 26-jährigen Frauen mit Beginn des vierten Semesters ihre Master Thesis anmelden und sechs Monate später damit fertig sein – im August. „Für die Masterarbeit angerechnet wird nur die Postproduktion, also alles, was nach den Dreharbeiten passiert“, erklärt Elina.

Doch bevor die beiden in den Schnitt gehen, sortieren und gliedern sie das Material. Außerdem gibt ihre Dozentin abschließende Tipps zu Wording und Umsetzung. Dann muss alles schnell gehen. Der Zugriff auf das Audioschnittlabor der Hochschule ist schließlich nur begrenzt und für den finalen Schnitt planen sie nur fünf Wochen ein. „Der geht noch an einen Komponisten, der nach unseren Vorgaben die Dramaturgie der Bildabfolge vertonen soll“, erklärt Nora und begründet, dass das von der Inspiration über das Notenblatt bis zur Aufnahme auch nicht so hoppla-hopp klappen wird, bevor Elina den Gedanken aufgreift: „Danach machen wir eigentlich nur noch den Feinschliff, unterlegen den Film mit der Musik, regulieren die Lautstärke, ergänzen Textpassagen wie Namen und Titel der Protagonisten und holen uns ein finales Feedback bei unserer Dozentin.

Mit Leidenschaft zum Master
Ergänzend zum Dokumentarfilm entsteht ein Begleitheft, das in kurzen Texten widergibt, was der Film zeigt. „Diese Texte schreiben wir selbst und stimmen sie mit allen Akteuren separat, aber recht zügig ab“, so Elina, schließlich müsste auch ein kleiner schriftlicher Master-Thesis-Anteil fertig gestellt und zwei Kurzfilme bis zur Abgabe im August im Kasten sein. Doch damit wird dann alles getan sein. Beide atmen durch. Dann freuen sie sich darauf, ihre Dokumentation im Kino des Nationalparkzentrums zu sehen – im Foyer des neuen Nationalparkzentrums. „Wir hoffen, dass wir es schaffen, die Akribie und Leidenschaft der Akteure in unserem Film zu transportieren, die wir selbst an den Drehtagen gespürt und bewundert haben“, wünscht sich Elina. Was nach Masterabschluss und Studium passiert, darüber haben sich beide noch keine konkreten Gedanken gemacht. „Auf jeden Fall sollte es ein spannendes Tätigkeitsfeld sein“, darin sind sie sich einig.

Elina Bildhauer und Nora Lay von der Hochschule Offenburg dokumentieren die Entstehung der Dauerausstellung des neuen Nationalparkzentrums. Bis August wird aus dem gedrehten Material ein 25-minütiger Film entstanden sein. Für die jungen Frauen ist er Abschlussarbeit ihres Masterstudiengangs in Medien und Kommunikation. Den Besuchern des Zentrums aber schenkt er den Blick zurück – auf Reißbretter, Werkbänke oder Monitore einiger Akteure, die an der Entstehung des modern inszenierten Mikrokosmos mitgewirkt haben.

Elina Bildhauer (26)
stammt aus Bayern. Nach Hauptschule und Abschluss zur Hauswirtschafterin hat sie das Abitur am Bayernkolleg über den zweiten Bildungsweg nachgeholt, ist nach Gelsenkirchen umgezogen. Dort hat sie 2018 den Bachelor of Arts in Journalismus und Public Relations abgeschlossen. Direkt danach wechselte sie nach Offenburg, um dort Medien und Kommunikation zu studieren.

Nora Lay (26)
stammt aus dem Harmersbachtal im mittleren Schwarzwald. Nach Besuch des Gymnasiums mit dem Abschluss des Abiturs, schloss sie ein Studium in Heilbronn mit Bachelor in Tourismusmanagement ab. Seit 2018 studiert sie ebenfalls in Offenburg an der Hochschule Medien und Kommunikation und wird ihre Hochschulzeit – so der Plan – 2020 mit dem Master beenden.

 

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