Menschen

Freiwillig für die Wildnis

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Die "Bufdis" und "FÖJ-ler", vom 1.9.2015 bis 31.8.2016 im Einsatz: Caroline Gaiser, Annika Koitzsch, Julian Kappl und Tobias Haußmann (v.l.)

Nach dem Schulabschluss entscheiden sich viele junge Menschen für ein freiwilliges Jahr bei einer öffentlichen Einrichtung. Auch im Nationalpark Schwarzwald absolvieren derzeit fünf junge Frauen und Männer den Bundesfreiwilligendienst oder ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ).

„Mit den Rangern rausgehen – das ist das Leckerli“, grinst Julian Kappl. Der 20-Jährige hat sich nach dem Abitur für ein Jahr im Bundesfreiwilligendienst entschieden. „Ich wollte nicht sofort studieren, sondern erst noch etwas Praktisches machen. Naturschutz und Umweltschutz interessieren mich besonders, deshalb habe ich mich hier beworben. Ich bin auch politisch ziemlich interessiert und habe die Debatte um den Nationalpark verfolgt, meine Großeltern kommen aus der Region. Ich finde es toll, ein Teil von so einer Gruppe zu sein und hier mitzuarbeiten, gerade, weil der Park jetzt noch so jung und im Aufbau ist.“ So sehen es auch seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter Caroline Gaiser, Annika Koitzsch, Patricia Mannßhardt und Tobias Haußmann. Die letzteren drei haben sich für ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) entschieden, Caroline Gaiser ist wie Julian Kappl ein „Bufdi“. Die beiden Dienste unterscheiden sich letztlich hauptsächlich in der Trägerschaft: Für die „Bufdis“ ist der Bund zuständig, für die FÖJ-ler die Landeszentrale für politische Bildung.

„Nach dem Abi überlegt man sich ja, in welche Richtung es gehen soll“, sagt Annika Koitzsch. „Bei mir war von Anfang an klar, dass ich kein Freiwilliges Soziales Jahr machen wollte. Ich bin es von klein auf gewohnt, draußen zu sein. Ich interessiere mich generell für Naturschutz und Forst, da bot sich das Freiwillige Ökologische Jahr viel mehr an.“

„Wir arbeiten ganz normal mit“, erzählt Tobias Haußmann. Die vielfältigen Tätigkeiten sind im Prinzip für alle gleich, allerdings ist Patricia Mannßhardts Einsatzort der Fachbereich 2 Forschung und Monitoring auf der Alexanderschanze, für die übrigen ist es das Nationalparkzentrum am Ruhestein. Zu den Aufgaben gehört es, die Infotheke zu besetzen und die Besucher zu informieren. „Es macht Spaß, sich mit den Leuten zu unterhalten und Wanderungen zu empfehlen“, findet Annika Koitzsch. Wenn „Innendienst“ angesagt ist, helfen die Freiwilligen auch bei der Büroarbeit oder auch mal in der Personalabteilung und in der Buchhaltung. Alle fünf sind des Lobes voll für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Nationalparks und fühlen sich respektiert. „Wir werden nicht mit unangenehmen Tätigkeiten überhäuft“, lächelt Julian Kappl.

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Caroline Gaiser und Julian Kappl am Nationalparkzentrum Ruhestein.

Die spannenderen Einsätze finden selbstverständlich im Freien statt. So kümmern sich die jungen Freiwilligen um die 80 Geocaches auf dem Nationalparkgelände. „Das ist große Arbeit, aber es kommt auch viel dabei heraus“, sagt Julian Kappl. „Sie sind weit verstreut und wir kartieren sie. Das ist ein Projekt, bei dem man dem Nationalpark weiterhilft.“ Tobias Haußmann befasst sich mit der Gewässerrandstreifen-Kartierung entlang aller Bäche. Auch die Neophytenkartierung ist wichtig: Wo wachsen Pflanzen, die hier nicht ursprünglich heimisch waren? Außerdem betreuen die Freiwilligen eine Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes. Wann immer es die Zeit zulässt, gehen sie auf die Rangerführungen mit.

Natürlich werden die fünf für die anspruchsvollen Tätigkeiten geschult und eingewiesen. Zusätzlich besuchen sie Seminare ihrer Träger. Bei den Bundesfreiwilligen geht es auf ihren fünf Seminaren in Karlsruhe weniger um Naturthemen, sondern auch um Soziales wie Krankenhäuser, Kindergärten, soziale Kompetenz oder politische Bildung. Aber auch Aufenthalte in anderen Nationalparks gehören dazu. Julian Kappl war schon im Bayerischen Wald und darf im Sommer auf die Hallig Hooge im Wattenmeer. „Wir sind FÖJ-ler, deshalb sind unsere Seminare natürlich natur- und umweltorientiert“, erklärt Annika Koitzsch. „Außerdem haben wir ein Wahlseminar, und deshalb gehe ich im Juni in den Nationalpark Bayerischer Wald.“

Die fünf jungen Leute logieren im ehemaligen Hotel Adler in Seebronn, wo sich auch Seminar- und Büroräume des Nationalparks befinden. Sie verstehen sich gut und sind schon längst eine eingeschworene Gemeinschaft. Manchmal haben sie Wochenenddienst, aber oft bleiben sie auch privat hier und unternehmen Wanderungen. Annika Koitzsch liebt zum Beispiel die Aussichtsplattform am Schliffkopf. „Bei klarem Wetter kann man von hier das Straßburger Münster sehen“, schwärmt sie. Julian Kappl ist vom Bannwald am Wilden See fasziniert: „Dort haben mich besonders die unterschiedlichen Grüntöne beeindruckt – das habe ich so noch nie wahrgenommen.“

Wer nun Lust bekommen hat, selbst ein freiwilliges ökologisches Jahr oder den Bundesfreiwilligendienst im Nationalpark Schwarzwald abzuleisten, sollte am Anfang eines Jahres eine Bewerbung an eine der folgenden Adressen senden. Der Einsatz dauert jeweils von 1. September bis 31. August des Folgejahres. Die Sichtung der Bewerbungen beginnt im Allgemeinen Mitte März.

Bundesfreiwilligendienst:

Nationalpark Schwarzwald

Friederike Scharfe

Schwarzwaldhochstraße 2

77889 Seebach

Freiwilliges ökologisches Jahr:

Landeszentrale für politische Bildung

Stafflenbergstraße 38

70184 Stuttgart

(Fotos: Angelika Hertenstein-Schneider, Daniel Müller)