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Gastwirt Herbert Brennsteiner: „Wie beim Bau des Kölner Doms“

Herbert Brennsteiner ist Wirt des Gasthauses Waldesruh in Herrenwies – dem einzigen Ort, der wirklich im Nationalpark liegt. Und ein klarer Fürsprecher des Naturschutzprojekts.

„Egal, zu welchem Baum Sie von hier aus gehen, er gehört mit Sicherheit zum Nationalpark“, deutet Herbert Brennsteiner mit weit ausladender Geste nach draußen. Der Wirt des  Gasthauses  Waldesruh  lebt  seit  einem halben  Jahrhundert  hier  in  Herrenwies,  einer 65 Seelen zählenden Gemeinde im Nordschwarzwald. „Als Kinder kannten wir jeden Baum, wir waren wirklich auf den Wald angewiesen  damals.“  Pilze  und  Heidelbeeren wurden gesammelt, Schweine gehalten, Holz für  den  Ofen  aus  dem  Wald  geholt.  Aber das, so Brennsteiner, sei eben damals gewesen. Als Argument gegen den Nationalpark könne  man  den  Wald  als  Nahrungs-  und Holzquelle heute einfach nicht mehr gelten lassen.  „Auch  meine  Eltern  sind  schon  seit Jahren  nicht  mehr  im  Wald  gewesen,  das sind alles nur noch Erinnerungen an frühere, weitaus härtere Zeiten“, so der Nationalparkbefürworter lapidar. „Deshalb hat mich das Gesamttheater auch so überrascht!“

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Herrenwies ist nicht groß, hat aber Unerwartetes zu bieten: Hier fühlen sich auch die schottischen Hochlandrinder augenscheinlich wohl

Mit  dem  „Gesamttheater“  beschreibt  Brennsteiner  den Aufruhr, den die Gründung des Nationalparks in den direkt benachbarten  Ortschaften  ausgelöst  hat.  Auch  die  Herrenwieser waren fast geschlossen gegen den Nationalpark. Nicht so Brennsteiner. „Wissen Sie, die Leute leben gerne in der Natur, aber wenn mal jemand was für die Natur tut, schreien sie plötzlich, man nimmt ihnen was weg. Das habe ich nicht verstanden… Ein bisschen Sorge hatte ich natürlich schon, dass ich mich nicht sonderlich  beliebt  mache mit  meiner  Meinung. Und ich habe es auch nicht groß rumposaunt, aber ein Standing musste ich abgeben!“ In die Waldesruh lud er deshalb auch die Direktoren des Nationalparks, Wolfgang Schlund und Thomas Waldenspuhl ein. Um aufzuklären und sich mit den Argumenten der Leute auseinanderzusetzen. „Das Publikum war gemischt, aber  die  Stimmung  war  okay“,  fasst  Brennsteiner  die  ersten Annäherungsversuche  zusammen.  Denen  weitere  folgten, denn den Direktoren des Parks gefiel die persönliche Atmosphäre und die Nähe zu den Leuten im Gasthaus.

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„Das Gesamttheater hat mich ganz schön überrascht!“

„Ich sehe halt das große Ganze, den gesamten Planeten – nicht nur mein kleines Fleckchen hier“, versucht Brennsteiner seine  positive  Haltung  gegenüber  dem  größten  baden-württembergischen Naturschutzprojekt zu erklären. „Außerdem ist meiner Meinung nach der Nationalpark die letzte Chance, hier noch was zu retten und zu reißen!“ Was er damit meint, wird klar, wenn er den Werdegang der letzten 50 Jahre aufzeichnet: „Die Leute hier sind manchmal ein bisschen blind dafür, was es jetzt alles nicht mehr gibt. Ich habe mir mal die Mühe gemacht, auf einer Karte alles einzuzeichnen, was es in den Sechzigern an Infrastruktur gab: Kioske, Gasthäuser, Tankstellen, Hotels.  Und  dann  die  farblich  markiert, die seither verschwunden sind.“ Das Bild der vielen bunt gezeichneten, ehemaligen touristischen Versorgungspunkte hat sich ihm eingebrannt – und den ein oder anderen  Nationalparkgegner  zum  Nachdenken gebracht.

Brennsteiners  beharrliches  Reden und  Argumentieren  mit  Stammgästen und Bekannten führte dazu, dass sich so mancher  vom  Nutzen  des  Parks  überzeugen  ließ.  „Wenn  so  Urgesteine  wie er hier“, er deutet auf einen Freund, der dem Gespräch folgt, „dann pro Nationalpark  tendieren,  dann  dreht  sich  auch  in den Köpfen der anderen Leute was!“ Natürlich hofft Brennsteiner auch, dass der Nationalpark  und  das  Infozentrum,  das hier entstehen wird, mehr Besucher nach Herrenwies bringt. Und damit auch mehr Gäste für die Waldesruh. Schließlich lebt er zum überwiegenden Teil von auswärtigen Besuchern. „Aber mir ist klar, dass es mit dem Nationalpark nicht Knall auf Fall sofort besser wird. Das muss man über viele Generationen hinweg betrachten. Wie beim Bau des Kölner Doms: Da haben sie damals auch angefangen, obwohl jeder Baumeister und jeder Handwerker wusste, dass er persönlich die Fertigstellung nie erleben wird!“

 

INFO

Gasthaus Waldesruh in Herrenwies

2016-02-24_09_Porträt-Brennsteiner_GasthausHerbert Brennsteiner betreibt gemeinsam mit Martina Kirr wald das Herrenwieser Gasthaus Waldesruh. Idyllisch am Waldrand abseits der Durchgangsstraße erwartet Brennsteiner seine Gäste mit einer „ehrlichen, guten Küche“: Von der frisch geangelten Bachforelle bis zu selbstgebackenem Brot finden Gäste hier nur eigenhändig zubereitete Speisen. „Damit bin ich zwar abhängig von Frischware, aber ich habe nun mal keine Lust, die nächsten zehn Jahre die gleiche Speisekarte abzukochen und dafür schnell verfügbare Tiefkühlware vorzuhalten!“ Das wissen auch seine Stammkunden zu schätzen.
Adresse: Herrenwies 30, 76596 Forbach, Telefon: 07226 – 232
Biergartenbetrieb im Sommer; besondere Angebote (Feiertagsmenüs, Gruppen etc.) auf Anfrage
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag 11.30 Uhr bis 21 Uhr. Montag und Dienstag Ruhetag (in den Sommerferien ist dienstags geöffnet)
Homepage: www.waldesruh-herrenwies.de