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Wissen spezial: Lebensraum Totholz

Nationalpark Schwarzwald Magazin, Lebensraum Totholz, Blick von der Hornisgrinde ins Tal, Bild: AdobeStock, mp1982_06

Totes Holz? Wer braucht denn sowas?!

Geschätzt benötigen etwa ein Fünftel der Tiere, Pflanzen und Pilze des Waldes altes, absterbendes oder totes Holz als Lebensraum oder Nahrungsquelle. Das sind rund 6.000 Arten! Dazu gehören neben Flechten und Moosen über 2.500 Pilz- und mehr als 1.400 Käferarten, aber beispielsweise auch Vögel, Fledermäuse, Amphibien oder Reptilien. Diese Lebewesen werden als xylobiont („das Holz bewohnend“) oder als saproxylisch („fauliges Holz nutzend“) bezeichnet.

Fit und jung – dank Totholz

Wenn die Bedingungen eher karg sind, oder die Konkurrenz an schnell wachsenden, niedrigen Pflanzen groß ist, dann haben junge Bäume am ehesten eine Chance, wenn sie auf Totholz keimen können. Wurzelteller, Baumstrünke und aufgerissene Stellen im Stamm: Wenn das Holz seit mindestens 15 bis 30 Jahren tot und bereits stark zersetzt ist, bietet es beste Bedingungen für die Frischzellenkur des Waldes.

Was darf es sein? Warm? Feucht? Kein Problem!

Holz ist ein guter Wärmespeicher. In direkter Umgebung auch von Totholz schmilzt der Schnee schneller, bleibt der Boden nicht so lange gefroren. Wärmeliebende Tiere wie Eidechsen nutzen das. Am Boden liegendes, älteres Totholz ist auch ein hervorragender, schwammartiger Wasserspeicher. Das ist prima für viele Pflanzen, aber auch für Amphibien wie den Feuersalamander, Schnecken oder Insekten.

Es lebt! Und wie…

Vögel finden im Alt- und Totholz Nahrung, beispielsweise Insekten. Außerdem hacken sie sich Höhlen ins Holz als Ruhe- und Brutplätze (primäre Höhlenbrüter wie Spechte). Oder sie nutzen verlassene Höhlen (sekundäre Höhlenbrüter wie Käuze). Insekten, wie Käfer, Ameisen oder Wildbienen, brauchen Totholz als Wohnraum und Nahrungsquelle. Die meisten Insekten können allerdings nur Holz verdauen, das bereits von Bakterien und Pilzen zersetzt wurde. Unter den wirbellosen Tieren auf Alt- und Totholz machen übrigens Käfer bis zu 95% der Biomasse aus! Sie haben eine besonders enge Bindung, da sich ihre Larven hier entwickeln. Unter den Säugetieren sind es vor allem die Fledermäuse, die vorhandene Höhlen als Brutstätte oder Rückzugsraum nutzen. Auch Baummarder, Gartenschläfer oder Siebenschläfer nisten sich hier gerne ein. In liegendem Holz, Ästen und Wurzeltellern finden Mäuse Quartier.

Etwa 20% aller im Wald vorkommenden Arten sind direkt oder indirekt auf Alt- oder Totholz angewiesen.

Bakterien und Pilze gehören zu den wichtigsten Besiedlern: Sie sind in der Lage, Holz in seine Bestandteile zu spalten und abzubauen. Viele Pilze bauen dabei entweder die weißliche, faserige Zellulose oder das bräunliche, feinkrümelige Lignin ab. So entstehen die sogenannte Braun- oder Weißfäule – je nachdem, was übrig bleibt, weil es der jeweilige Pilz eben nicht zersetzt hat. Moose lieben Alt- und Totholz, weil es dort meist ausreichend feucht ist. Einige Dutzend Moosarten gelten als alt- und totholzabhängig.

Wieviel Totholz braucht der Wald?

Da gibt es keine Faustregel. Manche Lebewesen brauchen mehr, manche weniger, manche eher liegendes, manche eher stehendes Totholz. Der im Nationalpark vorkommende Dreizehenspecht zum Beispiel benötigt etwa 18 Kubikmeter stehende tote Bäume pro Hektar. In den meisten Wirtschaftswäldern jedoch kommt weniger totes Holz vor, als für die Erhaltung der Artenvielfalt nötig ist. Im Gegensatz dazu lautet ein Ziel des Nationalparks, bis Mitte des Jahrhunderts 75% der Fläche sich selbst zu überlassen, und damit auch ein hohes Totholz-Vorkommen für die Artenvielfalt zu sichern.

Bild: AdobeStock / mp1982_06

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