Magazin Natur Pflanzen

Maronen: Die vergessenen Sattmacher

Sie wird nicht so groß wie ihr Namensvetter, die Kastanie, die im Herbst gerne von Kindern gesammelt und mit Streichhölzern zu Figuren zusammengesteckt wird, und sie ist noch nicht einmal mit ihr verwandt: Die Ess- oder Edelkastanie beziehungsweise ihre Frucht, die Marone, hat nur einen ähnlichen Namen, und während die Rosskastanie erst Ende des 16. Jahrhunderts als Zierbaum bei uns heimisch wurde, reicht die Ansiedlung der Esskastanie bis zu den Römern zurück.

Wer als Kind ‚Die kleine Hexe‘ von Otfried Preußler gelesen hat, wird sich an den Maronimann erinnern: Ein bettelarmer Alter, der ein wenig dazu verdient, indem er auf dem Markt geröstete Esskastanien anbietet. Der mitleidigen kleinen Hexe fällt auf, dass er bitterlich friert in seinen Lumpen, sich aber jedes Mal auch die Finger verbrennt, wenn er die heißen Nüsse aus dem Ofen holt. ‚Für jemanden die Kastanien aus dem Feuer holen‘: Dieser Spruch meint bis heute, dass man etwas Unangenehmes für jemand anderen erledigt.

Heiße Maronen – die gebackenen Nüsse sieht man heutzutage wieder vermehrt auf Weihnachtsmärkten, angeboten als teure Spezialität. Dabei waren die ein wenig nach mehligen Süßkartoffeln schmeckenden Früchte der Edelkastanie einst auch als ‚Brot des armen Mannes‘ bekannt. Denn sie sind extrem nährstoffreich und ersetzten das mancherorts rare Getreide. Nach wie vor findet man die leicht dreieckig abgeflachten, spitz zulaufenden Früchte der Edelkastanie in warmen Weinbauregionen im Herbst am Wegesrand – auch an den Westhängen des Schwarzwalds und natürlich im Rheintal. Nur verloren sie mit dem Siegeszug der Kartoffel schlicht ihre Bedeutung als Grundnahrungsmittel.

Mitgebracht hatten die Edelkastanien die Römer vor etwa 2.000 Jahren, so wie Weinrebe und Kirschbaum. Neben den Maronen, die auch den Römertruppen als Nahrung dienten, war und ist das harte Holz der schnell wachsenden Bäume ein solider Bau- und Brennstoff. Zudem sind Edelkastanien in ihrer Blütezeit eine wichtige Bienenweide – und die grob strukturierte Rinde bietet Lebensraum für zahlreiche Pilze, Flechten und Insekten. Da sie tief und fest wurzelt, also auch Stürmen trotzt, da ihr Holz witterungsbeständiger als Nadelbaumholz ist und sie sehr gut auch mit Sommertrockenheit zurechtkommt, wird ihr vielleicht im Zuge des Klimawandels in Deutschland wieder eine wachsende Bedeutung zukommen.

Wer nun neugierig geworden ist und Maronen selbst sammeln und probieren möchte, sollte sie vor dem Verzehr in irgendeiner Form erhitzen. Sie enthalten nämlich Tannine, die roh nur schwer verdaulich sind. Und wer sie ganz klassisch im Ofen backen möchte: Unbedingt die Schale einritzen, denn ansonsten sprengt die heiß werdende Nuss ihre harte Hülle und verteilt sich explosionsartig im Backofen.

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