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Freiwillige Ranger: Augen und Ohren des Nationalparks

Zu ihrem Job gehört es, Veränderungen im Wald wahrzunehmen und Besucher zu führen: Die Freiwilligen Ranger sind ein wichtiger Baustein für das Gelingen des Nationalparks.

Am Hohen Ochsenkopf hat Mitte März noch der Winter die Vorherrschaft – aber an diesem sonnigen Tag merkt man auch hier auf 700 bis 1.000 Meter Höhe bereits die ersten Spuren des Frühlings. Die Sonne lässt die Schneehaufen am Wegesrand kleiner werden, und die frühen Heimkehrer unter den Singvögeln zwitschern aufgeregt zwischen den Baumkronen umher. Kein schlechter Tag für eine Dienstrunde in den Nationalpark für die Freiwillige Rangerin Marianne Leis-Messer.

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Nach Stürmen wie „Lothar“ entstehen große Freiflächen. Die Neubesiedelung geschieht in der Kernzone zukünftig ungesteuert, eben „Eine Spur wilder“.

„Heute werden wir vom Hundseck aus ins Kerngebiet des Nationalparks wandern, bis auf den Hohen Ochsenkopf!“, beschreibt die Rangerin kurz die anstehende Tour. Sie und derzeit 20 weitere Freiwillige unterstützen mit ihrem ehrenamtlichen Engagement die hauptamtlichen Ranger des Nationalparks – und das nicht zu knapp. „Ich bin routinemäßig fast alle 14 Tage am Samstag und Sonntag ganztags im Park unterwegs“, erklärt “Marianne Leis-Messer. „Und wenn es bei den Hauptamtlichen eng wird, auch mal unter der Woche.“

Der Arbeitsaufwand ist bei allen Freiwilligen Rangern ähnlich. Und sie bekommen bald noch Verstärkung: Etwa die gleiche Anzahl neuer Freiwilliger Ranger wird demnächst ausgebildet und im Park eingesetzt. Darunter natürlich Rentner, die ihre freie Zeit gerne für den Nationalpark einsetzen, aber auch Berufstätige, die die Natur lieben und sich die Zeit nehmen möchten. Sie alle drehen hier ihre Runden, achten auf Veränderungen, lesen Spuren, und helfen so, einen aktuellen Überblick über die rund 10.000 Hektar Waldfläche zu wahren.

Eine Dienstrunde beginnt dabei stets mit einer kurzen Dienstbesprechung, auf der Marianne Leis-Messer und ihre Kollegen Anweisungen erhalten, wo es hingeht und auf was heute besonders zu achten ist. „Im Winter sind das natürlich vor allem Spuren von Tieren, um sich auf Dauer ein Bild von der Zusammensetzung, den Lebensgewohnheiten und Bewegungsmustern der Tiere im Nationalpark zu machen“, erläutert Leis-Messer. „Im Sommer treffen wir dann vermehrt Besucher im Park, die mit uns ins Gespräch kommen. Wir sind in unserer Dienstkleidung ja recht gut zu erkennen und helfen gerne weiter!“

Deshalb hat sie auch stets einen gut gefüllten Rucksack dabei. Heute hat sie neben Schneeschuhen, einer Jacke und Wanderstöcken auch ein Fernglas, Block, Stifte, eine Thermoskanne Tee, Hustenbonbons und natürlich ausreichend Infomaterial eingepackt. Man kann ja nie wissen, ob man nicht doch auf jemanden trifft, der sich über zusätzliche Infos freut. Denn Besucherbetreuung gehört mit zu den wichtigen Aufgaben aller Ranger. „Allerdings gehen unsere geführten Touren und das große Besucheraufkommen erst im Mai los“, so Leis-Messer. „In den Wintermonaten treffen wir in abgelegenen Gebieten wie dem Ochsenkopf nur sporadisch auf andere Menschen.“

IMG_8225Doch gerade im Winter, wenn hoher Schnee die Wege unter sich begräbt, benötigen die seltenen Wanderer manchmal wirklich Hilfe. So wie heute: „Eben habe ich einen Schweizer getroffen, der nicht so recht wusste, wie er zum Mehliskopf kommt“, lacht die Rangerin. Oder ob er das überhaupt darf, quer durch den Nationalpark, auf Schneeschuhen. „Es ist schon interessant“, so Leis-Messer, „wie anders in vielen anderen Ländern die Regeln in den jeweiligen Nationalparks gehandhabt werden. In der Schweiz zum Beispiel sind sie sehr rigoros, was das Verlassen der vorgeschriebenen Pfade angeht. Und ich hatte auch schon Amerikaner hier, die sich nach den Öffnungszeiten des Nationalparks erkundigt haben.“ In Deutschland wäre ein eingezäunter Wald mit Öffnungszeiten kaum denkbar – die Natur soll allen als offen zugänglicher Erholungsraum dienen. Für die Ranger ist diese Offenheit allerdings mit sehr viel Aufklärungsarbeit verbunden: „Wir weisen Besucher auf die Schutzbestimmungen hin und erklären auch die Gründe dafür. Die meisten akzeptieren das, nur einige wenige sind leider unbelehrbar.“

Dass Menschen den Nationalpark nicht abseits der Wege betreten sollen und nachts schon gar nicht, unterscheidet den Nationalpark beispielsweise vom Naturpark, so die Rangerin. Während im Naturpark die Natur gepflegt wird, damit sich der Mensch darin wohl fühlt, soll sich im Nationalpark die Natur vom Menschen erholen – aber natürlich trotzdem für die Besucher erlebbar bleiben. „Deshalb wird vom Nationalpark auch gerade ein neues Wegekonzept erstellt“, erklärt Marianne Leis-Messer. „Auf älteren Karten sind noch Wege verzeichnet, die naturschutzfachlich kritisch gesehen werden. Da schauen wir, wie wir das Betreten zukünftig am besten lenken können.“

Infotafeln zur Winterruhe der Tiere weisen zum Beispiel auf den Grund hin, warum bestimmte Wege nicht betreten werden dürfen: „Viele Tiere halten Winterruhe, das heißt, sie fahren ihren Stoffwechsel auf das Nötigste herunter, weil sie keine energiereiche Nahrung mehr finden. Wie das Auerhuhn, das frisst im Winter zur Not auch die energiearmen Kiefernund Fichtennadeln. Damit kann es überleben – aber wenn es aufgescheucht wird, muss es seine knappen Energiereserven schnell verbrennen und beginnt zu hungern“, so die Rangerin, die sich auch auf die Ornithologie spezialisiert hat, sich also gerade mit den Vögeln im Park bestens auskennt.

Führerin im Schwarzwald ist sie bereits seit vielen Jahren. „Ich habe vor rund zehn Jahren einen Kurs beim NABU gemacht, zum Natur- und Landschaftsführer. Und als dann der Nationalpark kam, war für mich klar, dass ich gerne als Freiwillige Rangerin arbeiten möchte“, meint die Naturliebhaberin, die schon als Kind mit ihren Eltern oft von Baden-Baden aus ‚auf der Höhe‘ unterwegs war. Dadurch ist sie mit der Natur, besonders der im Schwarzwald, natürlich bestens vertraut. „Einige meiner Kollegen haben auch diese Ausbildung zum Schwarzwaldführer gemacht“, erzählt sie. Die Gruppe kennt sich deshalb zum Teil recht gut. Zudem treffen sich die Freiwilligen Ranger nach ihren Runden abends noch zur Nachbesprechung, und einmal im Monat treffen sich alle zu einer Hauptbesprechung – und auch mal zu gemeinsamen Unternehmungen.

Von der praktischen Arbeit abgesehen nehmen die Freiwilligen Ranger auch an vielen Veranstaltungen des Nationalparks teil, um sich weiterzubilden. Wissenschaftliche Vorträge von Kollegen oder Gastrednern sind beliebt. „Und ich gehe auch gerne mal mit den Förstern durch den Wald. Dadurch erweitert sich das Wissen um die Zusammenhänge im Ökosystem Wald, und das kann ich dann wieder an die Besucher weitergeben!“ Natürlich bekommen die Ehrenamtlichen für ihre Arbeit und die Zeit, die sie investieren, auch eine angemessene Aufwandsentschädigung. Schließlich leisten sie unentbehrliche Arbeit für das Naturschutzprojekt.

An Spuren findet Marianne Leis-Messer auf dieser Runde Marderspuren und Auerhuhnlosung, Fuchsspuren, Rothirschspuren und vom Fichtenkreuzschnabel aufgepickte Fichtenzapfen, eine vom Specht frisch geklopfte Futterstelle – und Hühnereier schalen. „Naja, das ist hier wohl eher ein Vesperplatz als ein Hühnernest gewesen“, lacht sie. „Ah, und das hier sind Spuren von Schneeschuhen, leider nicht auf dem offiziellen Weg. Das war vielleicht der Schweizer, der zum Mehliskopf wollte und offensichtlich die Wegmarkierung übersehen hat… Naja, zumindest die Richtung zum Parkplatz stimmt!“

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(Fotos: Franziska Schick)