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Tourentipp: vom Schliffkopf zur Kniebishütte

Tourentipp Schliffkopf - Kniebishütte
Über Stock und Stein geht es streckenweise auf der frühwinterlichen Tour.

Wandern auf der Route vom Schliffkopf zum Kniebis ist nicht nur bei Sonnenschein ein Genuss. Geradezu mystisch wirkt die Natur auf den Naturwegen im Nationalpark bei Nebel und nach dem ersten Schneefall. So als ob jeden Augenblick geheimnisvolle Waldgeister hinter Bäumen oder Felsen hervorlugen könnten. Auf unserer zwölf Kilometer langen Tour, die teilweise den Westweg entlang führt, begleiten uns Nationalparkdirektor Wolfgang Schlund und Ranger Wolfram Hessner.

Stimmungsvolle Winterwanderung

Aus der wohligen Wärme des Nationalparkhotels Schliffkopf stapfen wir in die leicht verschneite Winterlandschaft hinaus, die wie mit Zucker bestäubt wirkt. Nach wenigen Hundert Metern westwärts gelangen wir zur Panoramaplattform, die uns – noch – eine schöne Weitsicht Richtung Rheintal schenkt. Von hier aus schwenken wir auf den Westweg ein. Es beginnt zu schneien, und Nebelschwaden hüllen uns ein. Hier oben auf rund 1.000 Höhenmetern können das bei dieser Wetterlage auch schon Wolken sein.

Wild wie die Tundra

Wir befinden uns mitten in der Wildnis. Obwohl – genau genommen noch nicht. Denn wir gehen am Rande der Grindenflächen des Schliffkopfs entlang. Hier weiden im Sommer Rinder, Schafe und Ziegen. Die Grinden gehören zur Managementzone des Nationalparks, in die der Mensch auch weiterhin eingreift. Durch die Beweidung werden die Flächen offen gehalten – wichtig für Tier- und Pflanzenarten, die im Wald nicht vorkommen. Auch Waldtiere wie das Auerhuhn nutzen diese Flächen. Gerade das Auerhuhn mag keinen dichten Wald, sondern lückige, lichtere Strukturen. Auf den Grinden ernährt es sich im Winter von den Nadeln der Latschenkiefern, die auch als Deckung dienen. Insofern profitiert der Vogel von den Eingriffen des Menschen. Wild wie eine sibirische Tundralandschaft wirkt das Gelände trotzdem mit seinen niedrigen Beerensträuchern, rauen Gräsern und den Latschenkiefern.

Ein Markstein erzählt über Gebietsveränderungen

Wir passieren einen alten Grenzstein. Er markiert die Grenze zwischen Baden und Württemberg. An seiner Westseite sind die drei württembergischen Geweihstangen eingemeißelt, an seiner Ostseite das badische Stammwappen. „Das war nicht immer so“, erklärt Wolfgang Schlund und macht uns darauf aufmerksam, dass der Schild mit dem Schrägbalken in eine Vertiefung eingraviert ist. „Ursprünglich stand hier das Wappen des Bistums Straßburg, das aber 1803 entfernt wurde. Das Gebiet hat erst Napoleon Baden zugeschlagen, als Ausgleich für den Verlust linksrheinischer Gebiete.“

Entlang des Westwegs

Wir folgen dem Wanderzeichen des Westwegs, einer roten Raute auf weißem Grund, auf einem urigen Pfad mit groben flachen Steinen. Oft erfreuen wir uns an malerischen Details. Denn Raureif und Schnee lassen Gräser, Sträucher und Zweige besonders pittoresk aussehen. Wir passieren einen Aussichtspunkt mit Fernrohr. Aber nun gibt es in der Ferne nichts mehr zu sehen, dichte Wolken hüllen uns ein.

Vogelstimmen und „Thunfischholz“

Immer wieder tauchen wir in Waldgelände mit Tannen und Fichten ein. Wolfram Hessner ist passionierter Ornithologe. Mit seinen geschärften Sinnen erblickt er auf unserer Wanderung einen Schwarzspecht hier oder ein Dompfaff-Pärchen da. Er hört das Rätschen des Tannenhähers und das Zwitschern des Buchfinks, des „häufigsten Wildvogels in Deutschland“, wie er uns erklärt. Er zeigt uns seltene Flechten und zerfasertes verwittertes Holz. „Wenn wir mit den Junior Rangern unterwegs sind, nennen wir es Thunfischholz“, lächelt er, „weil es so eine ähnliche Farbe und Struktur hat und sich so ähnlich in Schichten abtragen lässt.“

Vorbei an Orten voller Geschichte(n)

Der Weg verändert häufig sein Gesicht. Mal schlendern wir bequem auf gekiesten Wanderwegen, mal steigen wir über unzählige Wurzeln. Mal schreiten wir über steinigen Untergrund, mal gehen wir im Gänsemarsch auf schmalen erdigen Pfaden. Wolfgang Schlund erzählt uns viel über die Geschichte des jungen Nationalparks. Ebenso kommen wir an geschichtsträchtigen Orten vorbei. Etwa an der Röschenschanze. Diese Wallanlage in Form eines sechsstrahligen Sterns – den man nur aus der Luft noch als solchen erkennt – entstand Ende des 18. Jahrhunderts während der napoleonischen Kriege. Der württembergische Herzog Ludwig Eugen beauftragte damals den Ingenieur-Major Rösch mit dem Bau einer Befestigungsanlage an diesem strategisch wichtigen Ort. Nicht weit davon gelangen wir zum Hotel Zuflucht. Ursprünglich stand hier eine Hütte, die Waldarbeitern und Hirten Schutz bot. Später wurde daraus ein Gasthaus, und immer wieder gelangten auch verletzte oder verirrte Menschen dorthin.

Der Schliffkopf liegt weit hinter uns – Endspurt zur Kniebishütte

Rund zwei Kilometer weiter südöstlich kommen wir zur Alexanderschanze, die ebenfalls eine Verteidigungsanlage zur Zeit Napoleons war. Das gleichnamige Hotel steht seit Längerem leer. Inzwischen gibt es Pläne, es wieder instand zu setzen und die Naturwissenschaftler des Nationalparks dort unterzubringen. Hier verlassen wir den Westweg und folgen der Beschilderung nach Osten Richtung Kniebis. Inzwischen lockert sich die Bewölkung auf und manchmal zeigt sich ein Stückchen blauer Himmel. Wir befinden uns nun außerhalb des Nationalparkgebiets, doch der Wald ist immer noch zauberhaft. Wir sehen stark bemooste Bäume und verschneite Fliegenpilze. Auch hier begegnet uns wieder ein Grenzstein. „Diese schweren Dinger werden tatsächlich manchmal gestohlen“, bedauert Wolfgang Schlund, „und durch neue – oder gar nicht mehr – ersetzt.“

Sichtbare Spuren der Vergangenheit

Allmählich knurrt uns der Magen, nach über zehn Kilometern Wegstrecke. Noch ein kurzer Zwischenstopp an einer Stelle, an der auf einer großen Steinplatte lange tiefe Rinnen zu sehen sind. „Das sind Wagenspuren aus alten Zeiten, als es noch lange keine Schwarzwaldhochstraße gab“, erläutert uns der Nationalparkchef. Wir nähern uns dem Kniebis, die Sonne bricht durch die Wolken und lässt den Wald in einer ganz anderen, heiteren Stimmung erscheinen. Plötzlich treten wir aus dem Wald hinaus auf die Kniebishöhe und haben eine grandiose Fernsicht. Endspurt. Unsere Schritte werden schneller und schließlich stürmen wir nach rund zwölf Kilometern die gemütliche Kniebishütte, wo wir mit leckeren Schwarzwaldspezialitäten verwöhnt werden.

(Fotos: Stefan Dangel, Franziska Schick)

Hinweise zum Verhalten im Nationalpark

  • Bleibt auf den ausgewiesenen Wegen. Im Nationalpark steht euch ein umfassendes ausgewiesenes Wegenetz attraktiver Wege zur Verfügung.
  • Lasst eure Hunde nicht frei laufen.
  • Beunruhigt, stört oder füttert die Tiere im Nationalpark nicht. Stellt den Tieren nicht nach.
  • Parkt nur in dafür ausgewiesenen Bereichen.
  • Macht kein offenes Feuer und raucht nicht im Nationalpark.
  • Nächtigt nur an dafür bereitgestellten und gekennzeichneten Bereichen innerhalb des Nationalparks.
  • Sammelt außerhalb der hierfür ausgewiesenen Bereiche keine Pflanzen oder Pflanzenteile. Informationen zu den ausgewiesenen Heidelbeersammelflächen erhaltet ihr an den Informationsstellen des Nationalparks.
  • Badet nicht in den Gewässern des Nationalparks. Die Fließgewässer wie auch die Karseen des Nationalparks sind seltene und sensible Biotope.
  • Lasst nichts zurück. Helft uns, indem auch ihr für einen sauberen Nationalpark sorgt.
  • Achtet auf umstürzende Bäume und herabfallendes Totholz. Innerhalb des Nationalparks bestehen erhöhte waldtypische Gefahren, weil hier das Altern und Vergehen von Bäumen ermöglicht wird. Ihr betretet den Nationalpark auf eigene Gefahr. Besondere Beachtung gilt bei Unwetter und Sturm.
  • Achtet auf eine gute Ausrüstung mit festem Schuhwerk und Regenschutz sowie genügend Trinkwasser und Verpflegung.

Aktuelle Ausgabe Herbst / Winter 2019

Okt 22, 2020 - Do
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