Natur

Mein Freund, der Baum

Nationalpark Schwarzwald Magazin, Baum, Wanderer auf Felsnase, Bild: Shutterstock/Baciu

Gestern war der Tag des Baumes. Habt ihr das mitbekommen? Nein? Dann geht’s euch wie mir. Das mag daran liegen, dass der Baum in Deutschland keinen so hohen Stellenwert besitzt wie beispielsweise die Liebe – siehe Valentinstag. Andererseits sind gerade ganz besondere Bäume oftmals mit romantischen Geschichten verknüpft. Und eine Landschaft ohne Bäume wirkt auf uns eher abschreckend. Deshalb möchte ich diesen Beitrag einfach mal dem Baum widmen. 😉

Der Tannen-Nationalpark

Die Tanne ist der Baum, für den der schwarze Wald, der dunkle Tann, berühmt ist. Sie ist deshalb auch eine Leitart des Nationalparks Schwarzwald – auch wenn sie heute nicht mehr den gleichen hohen Anteil am gesamten Baumbestand hat. Trotzdem, man kennt sie als Baum des Schwarzwalds. Beispielsweise wird auch heute noch von den sogenannten Holländer-Tannen gesprochen: riesige Weißtannenstämme, die aus dem Schwarzwald einst bis nach Rotterdam geflößt wurden. Wozu man diese mächtigen Stämme brauchte? Vor allem als Masten für die stolzen Großsegler. Und für den Hausbau in Amsterdam. Denn die historische Altstadt steht im Wasser auf Holzpfählen. Teilweise ruht das eine oder andere Haus sicherlich auch auf Schwarzwälder Tannen. Die Tanne könnte in einigen Jahren, Jahrzehnten oder Jahrhunderten auch wieder häufiger vorkommen, zumindest auf dem Gebiet des Nationalparks. Hier wird ja keine Aufforstung mehr betrieben. Die Natur sucht sich hier selbst die Bäume aus, die den “neuen” Wald in vielen hundert Jahren dann mal bilden werden. Im Gebiet des Wilden Sees hat man heute schon einen kleinen Einblick in einen urwüchsigeren Schwarzwald. Denn hier steht der Wald schon seit über 100 Jahren unter Naturschutz.

Typisch: Schwarzwälder Baum-Panoramen

Wunderschön, nicht? Und ohne Bäume kaum vorstellbar.

Genauer Blick: besondere Bäume im Nationalpark

Und dann gibt es neben den typischen Bäumen auch immer die besonderen. Kennt bestimmt jeder von euch: da geht ihr irgendwo spazieren, und ein Baum fällt euch ins Auge. Vielleicht, weil er einsam und malerisch mitten im Feld steht. Oder weil er so schön knorrig und uralt aussieht. Vielleicht hat er fünf Stämme, die zu einem verschmolzen sind? Oder seine Wuchsform ist anders als bei allen anderen Bäumen drumherum. Wenn ihr durch den Nationalpark Schwarzwald wandert, sucht mal nach diesen Gesellen:

Echte Persönlichkeiten: die ganz, ganz Alten

Im Nationalpark Schwarzwald gibt es auch die sogenannte Großvatertanne. Die ist besonders alt und mächtig geworden. Keiner weiß eigentlich so genau, warum gerade sie stehen bleiben durfte, wo doch Holz so begehrt war früher (und heute). Fragt mal einen Ranger, ob er die Großvatertanne kennt. Oder auch jeden einheimischen Spaziergänger. Viele werden sofort wissen, um welchen Baum es geht. Denn wir lieben besonders riesige, alte, mächtige Bäume. Um sie ranken sich Sagen und Mythen. Romantisch halt. Wir sind beeindruckt von den unbeeindruckbaren Riesen. Wer den Herrn der Ringe kennt, weiß, dass ihnen magische Kräfte zugeschrieben werden. Sie scheinen ihren eigenen Willen und eine unglaubliche Stärke zu haben. Und egal, in welchem Teil der Welt ihr unterwegs seid: die Menschen sind überall stolz auf solche Baumpersönlichkeiten.

Habt ihr vielleicht einen Lieblingsbaum?

Oder einen Liebesbaum? Ja, auch das gibt es, wie ich gestern im Radio gehört habe. Den deutschlandweit (vielleicht weltweit?) einzigen Baum mit eigener Postleitzahl! Ganz hoch oben im Norden, in Eutin, steht diese Bräutigamseiche. Das besondere an ihr: In vier Metern Höhe hat sie einen “Briefkasten”, ein Astloch, für Liebesbriefe. Und ja: Der Postbote kommt täglich vorbei und wirft bis zu 40(!) Briefe ein von partnersuchenden Menschen, die lieber auf die ruhige Kraft des Baumes als auf das hektische Dating im Internet setzen. Das Ganze geht zurück auf eine im Jahr 1891 von den Eltern nicht gern gesehene Verbindung zwischen der Tochter des damaligen Oberforstmeisters und eines Leipziger Schokoladen-Fabrikanten. Die Verliebten benutzten den Baum, um heimlich Nachrichten auszutauschen. Klar haben sie sich am Ende doch bekommen – sonst würden dem Baum nicht diese Kräfte nachgesagt als Liebesvermittler. Denn das ist er – bis heute werden jedes Jahr Ehen geschlossen, die hier mit einem Brief ihren Anfang nahmen. Verrückt – aber auch wunderschön.

Vielleicht spinnen sich ja eines Tages auch solch faszinierende Geschichten um die Bäume des Nationalparks Schwarzwald. Wer weiß. 🙂

Infos zum Tag des Baumes

Den Tag des Baumes gibt es schon seit 145 Jahren! Allerdings zuerst nur in Amerika. Dort pflanzten Bürger und Farmer am 10. April 1872 mehr als eine Million Bäume. Die Idee, damit etwas für die Zukunft zu tun, verbreitete sich – der Gedenktag wurde eingeführt. In Deutschland allerdings dauerte es noch bis 1952. Der erste deutsche Tag des Baumes diente damals übrigens der Rückbesinnung auf die Nachhaltigkeit. Und Nachhaltigkeit ist ein Thema, das bis heute aktuell ist.

Seither werden in Deutschland immer am 25. April Veranstaltungen mit Baumpflanzungen durchgeführt. Die Aktionen werden von der “Schutzgemeinschaft deutscher Wald” koordiniert. In diesem Jahr (500 Jahre Reformation) werden Apfelbäume gepflanzt. Getreu Martin Luthers Ausspruch: “Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen”.

Bilder: Shutterstock/Baciu, Shutterstock/Jürgen Wackenhut, Franziska Schick, Michel Grün, Stefan Dangel, Heinz Seehagel, pixelio/Erich Westendarp