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„Geschichte darf nicht untergehen“

Hauswirtschaftslehrerin, Kinderbuchautorin, Musikerin, Malerin, Gemeinderätin: Tausendsassa Dora-Luise Klumpp hat in ihrem Leben schon einiges gemacht. Seit 2004 kümmert sie sich als Vorsitzende des „Fördervereins Glashütte Buhlbach“ um die Restaurierung der Glashütte Buhlbach – mit großem Erfolg.

Portrait-Klumpp (6)Es war im Jahr 2004, als Dora-Luise Klumpp hörte, dass die Gruppe alter, leerstehender Gebäude am östlichen Ende des Baiersbronner Ortsteils Buhlbach endgültig abgerissen werden sollte. Eine Nachricht, die sie nicht mehr so recht schlafen ließ. „Ich wollte erst einmal wissen, wofür die Häuser einmal gebaut wurden, ehe dort durch den Abriss endgültige Fakten geschaffen worden wären“, erzählt die Vorsitzende des „Fördervereins Glashütte Buhlbach“ heute.

Den damals gerade anstehenden Urlaub nutzte sie, um gemeinsam mit ihrem Mann die Historie des Ensembles zu recherchieren. Was die beiden fanden, war erstaunlich: Die Bauwerke bildeten einst die größte und bedeutendste Glashütte der Region und gelten überdies als letzte erhaltene Gebäude der Glasära des Schwarzwalds. Für das Ehepaar Klumpp stand sofort fest: Dieser bedeutende Teil Schwarzwälder Geschichte darf nicht den Baggern zum Opfer fallen. Kurzum rief Dora-Luise Klumpp mit Gleichgesinnten einen Förderverein ins Leben.

Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Ein Antrag zur Aufnahme ins EU-Förderprogramm LEADER, das Projekte zur Entwicklung des ländlichen Raums unterstützt, brachte der Glashütte die höchste Förderstufe ein. Mit der kräftigen Finanzspritze konnten die Renovierungsarbeiten an den verfallenen Gebäuden beginnen und das Areal als touristische Attraktion in Betrieb genommen werden. „Das war zu Anfang alles andere als einfach“, erinnert sich die Vorsitzende, denn außer den Ruinen gab es ja kaum etwas zu zeigen. „Wir standen de facto mit den Besuchergruppen auf der Straße, überall lag Müll, das Areal war zugewachsen und die Fenster waren kaputt.“

Am Diorama einer Glashütte gibt es anschaulichen Geschichtsunterricht.
Am Diorama einer Glashütte gibt es anschaulichen
Geschichtsunterricht.

Also improvisierte Klumpp, die als Musikerin bereits mehrere CDs mit Gitarre und Gesang aufgenommen hat, und ergänzte die Führungen im Kulturpark durch gemeinsames Singen von Volksliedern bei Kaffee und Kuchen. „Das kam super an“, erzählt Klumpp. So gut, dass Reisegruppen diesen Programmpunkt bis heute gezielt buchen. Aus einer Familienchronik und einer wissenschaftlichen Arbeit zog der Verein Fakten und Informationen, die im Rahmen der Führungen an die Besucher weitergegeben werden konnten. Mit allerlei „häuslichen Gegenständen“ wurden die renovierten Gebäude besuchertauglich hergerichtet.

Mittlerweile kann sich der Kulturpark Glashütte Buhlbach sehen lassen. Vom einstigen Verfall zeugt nur noch die nicht renovierte ehemalige Gaststätte. Das Turbinenhaus und das Gebäude mit den ehemaligen Arbeiterwohnungen strahlen in frischen Farben, beherbergen eine Glasbläserwerkstatt, aufschlussreiche Ausstellungen über die Geschichte des Glasmachens in Buhlbach und detailreiche Nachstellungen der damaligen Lebensweise. Ein phantasievoll angelegter „Garten des Glasmännleins“ bringt Lustwandelnden kunstvoll Materialien zur Glasverarbeitung näher. Und unter einem noch provisorischen Dach liegen die Reste eines historischen Glasbrennofens.

Portrait_Klumpp_Mitarbeiter in historischer KleidungDora-Luise Klumpp ist auf die Arbeit ihres Vereins im letzten Jahrzehnt sehr stolz. Rund 170 Mitglieder sind eingeschrieben, zirka 30 arbeiten aktiv im Kulturpark mit. Dazu gehören unter anderem Personen wie Ursula Klumpp, die sich als ehemalige Sachbearbeiterin der Gemeindekämmerei Baiersbronn seit der ersten Stunde zusammen mit Gemeinderat Ulli Schmelzle um die finanziellen Angelegenheiten kümmert. Oder auch eine tatkräftige Männer-Helfergruppe, im Verein vielsagend „Die staubigen Brüder“ genannt, die Garten und Gebäude in Schuss hält. „Ohne unsere Ehrenamtlichen“, betont Klumpp, „wäre das hier alles unmöglich gewesen.“ Einiges steht auch noch auf der To-do-Liste: So sollen unter anderem der Ofen eine feste Überdachung erhalten und schließlich die alte Gaststätte renoviert werden. Diese Maßnahmen seien jedoch nur mit weiteren finanziellen Zuschüssen und Spenden realisierbar, betont Dora-Luise Klumpp.

GlashütteNatürlich kommt der Vereinsvorsitzenden auch der Nationalpark „vor der Haustüre“ zupass – in ihrem Bemühen, Geschichtliches zu erhalten und Besucher anzuziehen. Als ehemalige Gemeinderätin hat sie die kontroverse Diskussion um das Schutzgebiet in Baiersbronn hautnah miterlebt. „Es ist sehr positiv, dass der Nationalpark die Menschen auf die Bedeutung der Natur aufmerksam macht – besonders für die Kinder, die heute so viel mit Computern und Bildschirmen beschäftigt sind“, erklärt die dreifache Mutter. „Und natürlich kommen wegen des Parks sehr viele Menschen zu uns in die Region.“

Fantasievolles Arrangement: Der "Harten des Glasmännleins".
Fantasievolles Arrangement: Der “Harten des Glasmännleins”.

Deshalb hofft sie, dass zügig ein effektives Tourismuskonzept auf die Beine gestellt wird. „Die Autobahn verläuft weitab von hier, der Industrie ist es meist zu bergig – also bleibt uns nur der Tourismus“, sagt Klumpp, „und für den müssen wir ständig etwas tun.“ Längst hat sie die Verbindung zur Nationalpark-Behörde hergestellt und sucht intensiv nach Kooperationsmöglichkeiten. Die Initiative trägt bereits Früchte. Im Verwaltungsgebäude auf dem Ruhestein lief im Sommer erstmals eine Glasmacherausstellung der Buhlbacher.

Verbesserungspotenzial sieht sie bei der Präsenz und Sichtbarkeit des Nationalparks. „Ich würde mir große, auffällige Hinweistafeln an den Einfallsstraßen des Parks wünschen“, sagt Dora-Luise Klumpp. „Die kleinen Holzschilder, die momentan die Besucher begrüßen, werden zu schnell übersehen.“ Auch in der Entwicklung gemeinsamer Veranstaltungen zwischen Glashütte und Nationalpark sieht sie große Chancen. „Die Besucher wollen doch raus und Attraktionen entdecken. Unsere Glashütte kann da sicherlich zur Vielfalt des Angebots beitragen.“

_DSC3881Buchtipp:
Dora-Luise Klumpp hat auch das Kinderbuch “Sternen-Himmel über Buhlbach” geschrieben und illustriert. Reim für Reim stehen die kleinen Zuhörer darin dem “Glasmacher-Georg” bei, der im Schwarzwald ein hartes Leben führt, letztendlich aber sein Glück macht.

(Fotos: Kulturpark Glashütte Buhlbach, Christopher Wünsche)


Informationen: Kulturpark Glashütte Buhlbach

Der „Kulturpark Glashütte Buhlbach“ im Baiersbronner Ortsteil Buhlbach bietet Besuchern einen umfassenden Einblick in die Glasära des Schwarzwalds. Die im Jahr 1758 errichtete und 1909 geschlossene Glashütte war eine der bedeutendsten in Süddeutschland und die größte des Schwarzwalds. In den restaurierten Gebäuden wird anschaulich und detailreich das damalige Leben, die Arbeitsweise und Technik ausgestellt. Die Führung vermittelt tiefgreifende Informationen zur Historie, hält aber auch Anekdoten und persönliche Erfahrungen bereit. Manche Überraschung erwartet den Besucher: Wer hätte beispielsweise gedacht, dass hier der gewölbte Boden der Sektflaschen erfunden wurde, wie er noch heute weltweit üblich ist? Bewirtung ist ebenfalls vorhanden.

Öffnungszeiten 2015
1. Mai bis 1. November
Mittwoch bis Sonntag: 11.00 – 18.00 Uhr

Führungen
Mittwoch bis Sonntag: jeweils 14.30 Uhr
Führungen für Gruppen mit Voranmeldung.

Weitere Informationen
Telefon 07449 / 92 99 0 20
info@kulturpark-glashuette-buhlbach.de