Abseits des Parks Blick über den Waldrand Magazin

Der Schwarzwald in Maryland

Dr. Thomas Waldenspuhl (rechts) und Marketingleiterin Dr. Simone Stübner zu Besuch in Maryland.

Im Catoctin Mountain Park liegt auch das Präsidenten-Domizil „Camp David“

Spätestens 1979, als unter Vermittlung des damaligen US-Präsident Jimmy Carter von Anwar el Sadat und Menachim Begin das historische Friedensabkommen zwischen Ägypten und Israel unterzeichnet wurde, ist Camp David für viele Menschen auf unserer Erde zu einem Begriff geworden. Der Landsitz des US-Präsidenten bekam plötzlich einen weitaus größeren Stellenwert, als nur das Erholungsrefugium für den mächtigsten Mannes der Welt zu sein. Camp David klingt nach großer Politik, nach politischem Strippenziehen, und wer sich gerne Hollywood-Schinken zu Gemüte führt, erkennt auch einen romantischen Landsitz, in dem der Präsident, nachdem er seinem Helikopter entstiegen ist, im bequemen Shirt am Kamin sitzt und mit der First Lady kuschelt. Aber was Camp David für Baden-Württemberg so spannend macht: Es liegt mitten im Catoctin-Nationalpark, einem Partner des Nationalparks Schwarzwald.

Im Jahr 2018 reiste Nationalparkdirektor Thomas Waldenspuhl nach Maryland, um die Partnerschaft offiziell zu besiegeln. Eigens aus Frankfurt eingeflogen war seinerzeit auch US-Generalkonsul James Hermann, der 2015 im Namen der amerikanischen Nationalparkverwaltung den Kontakt in den Schwarzwald hergestellt hatte. Waldenspuhl: „Die Amerikaner haben mehr als 100 Jahre Erfahrung mit Nationalparks. Wir können viel von ihnen lernen und freuen uns sehr über die Zusammenarbeit“. Der Catoctin-Nationalpark weist eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem Schwarzwald auf. Auch er befindet sich in einem Mittelgebirge und besteht deutlich sichtbar aus menschlich geprägten Wäldern. Wissenschaftliche Ansätze lassen sich daher besser vergleichen als mit den Ergebnissen aus den Urwäldern der vielen anderen Parks amerikanischer Prägung. Über 23 Quadratkilometer umfasst die gesamte Größe des Parks, dessen Rückgrat ein rund 80 Kilometer langer Abschnitt – die Catoctin Mountains – bildet, die zu den weiten Hügelketten der Blue Ridge Mountains zählen. Seine grünen Laubwälder sind von Bächen und majestätischen Felsen durchzogen und bieten weite Ausblicke in die Ebene Marylands.

Shake Hands. Superintendent Rick Slade und Dr. Thomas Waldenspuhl bei der Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrags.

Die Geschichte dieses Parks ist äußerst wechselhaft. Ursprünglich als sehr unrentabler Landstrich angesehen, dessen Daseinsberechtigung offenbar nur darin bestand, dass hemmungslos Holz für die nahen Eisenöfen gerodet wurde, entwickelte er sich ab 1935 in eine gänzlich andere Richtung. US-Präsident Franklin D. Roosevelt war es, der den Menschen nach der Weltwirtschaftskrise von 1930 eine neue Perspektive und Arbeitsplätze geben wollte und das Areal in ein produktives Erholungsgebiet umwandeln ließ. Der nördliche Teil des geschaffenen Parks wurde 1936 an den National Park Service übergeben, 1954 umstrukturiert und auch in Catoctin Mountain Park umbenannt. Der 20 Quadratkilometer große südliche Teil, der Cunningham Falls State Park, wurde Maryland zugeschlagen. 2014 erfolgte schließlich mit der Aufnahme in das “National Register of Historic Places“ ein Ritterschlag. In „Ort vieler Hirsche“ begründet sich der Parkname, der der indianischen Stammessprache der Kittoctons-Indianer zugeordnet wird. Auch heute noch ist diese Bezeichnung aktuell, denn vor allem Hirsche, aber auch Schwarzbären, Holzklapperschlangen, Truthähne, Geier und weitere Greifvögel beherrschen die Szenerie. Für Freizeit-Aktivisten ist der Catoctin Mountain Park ein wahres Paradies. Deutlich mehr als ein Dutzend ausgewiesener Trails entführen in eine ebenso abwechslungsreiche wie atemberaubende Landschaft. Herzstück ist dabei ein gut 42 Kilometer langer Trail entlang des Catoctin Mountains im Herzen Marylands. Er wird vom Potomac Appalachian Trail Club sorgsam unterhalten und bietet neben Wanderrouten auch Mountainbike-Pisten, organisierte Campingplätze und reichlich Picknickpavillons. Der Tradition amerikanischer Nationalparks folgend, steht also auch der Partner-Park des Nationalparks Schwarzwald für familienfreundliches Erleben mit Angeln, Klettern, Wandern, Radeln, Campieren und vor allem Natur erleben. ± Jürgen Wünsche

„Camp David“
Nachdem Franklin D. Roosevelt die Anweisung gegeben hatte, den bis dato unrentablen Landstrich der Catoctin Mountains in Erholungsgebiete umzuwandeln, wurden auch Camps errichtet, die beispielsweise benachteiligten Kindern, aber auch Beamtenfamilien aus dem nur 100 Kilometer entfernt liegenden Washington D.C. zugutekommen sollten. Roosevelt selbst nahm sich seine Auszeiten von der großen Politik bis dahin gerne auf seiner Yacht. Aus Sicherheitsgründen suchte man anfangs der 40er Jahre jedoch nach einer Alternative in den kühlen Höhen der Blue Ridge Mountains und fand schließlich ein bestehendes Camp namens „Hi-Catoctin“, das einige Jahre zuvor fertig gestellt worden war. Roosevelt nannte sein neues Feriendomizil etwas unamerikanisch „Shangri-La“. Seinen heutigen Namen erhielt „Camp David“ 1954 durch Präsident Dwight D. Eisenhower, der das fantastische Refugium nach seinem Enkel David umbenannte. Selbstredend ist das Gelände schwer bewacht und nur mit ausdrücklicher Einladung des amtierenden Präsidenten besuchbar. Bei besonderen politischen Treffen kann die Schutzzone um „Camp David“ kurzfristig stark vergrößert und die Zugänglichkeit des Nationalparks um ein Drittel der gesamten Fläche verringert werden.

Geschichtsträchtiges Camp David.

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